Fotoausstellung “Zuhause unterwegs”

Freitag, 25. Mai bis Freitag, 8. Juni – Kulturzentrum Pavillon, Hannover

Anlässlich des diesjährigen Schwerpunktthemas “World Music Circus” präsentiert das MASALA Weltbeat Festival eine Fotoausstellung der besonderen Art. Sie wird von zwei Künstler*innen realisiert, die für ihre Aufnahmen die ganze Welt bereisen und diese in so ungewöhnlichen Motiven einfangen, dass teils die Worte fehlen, sie zu beschreiben.

Johanna-Maria Fritz

Die Analog-Fotografie von Johanna-Maria Fritz resultiert aus einem intensiven Zusammenleben und der Mitarbeit in der Zirkusgemeinschaft. Ihre Reisen führten sie in Konfliktgebiete, in denen der Zirkus als Enklave der Freiheit um die Aufrechterhaltung seiner Tradition ringt – und darin gesellschaftliche Akzeptanz und Zuspruch erfährt. Ihre Fotografien spiegeln Gesellschaft und Missstände, Widerstand und Träume in vielfältigen Facetten: Sie zeigen Frauen als hochgeschätzten Teil der Gemeinschaft im afghanischen Zirkus. Sie fangen die Ausgelassenheit des iranischen Publikums ein, das im Zirkus einen ganz anderen Blick auf die Welt erhascht. Und sie dokumentieren, wie sich eine Zirkusschule in Palästina als Zukunftsperspektive für Kinder entpuppt.

Die 24-jährige Johanna-Maria Fritz studierte Fotografie an der Ostkreuz-Schule für Fotografie in Berlin. Bereits während ihrer Schulzeit beschäftigt sie sich intensiv mit der Zirkuswelt und dem Leben der Artist*in. Fotografierte sie zunächst noch Zirkusfamilien in Deutschland, so zog es sie bald in internationale Zirkusse.

Zunächst führten sie ihre Reisen nach Osteuropa und Island. Momentan dokumentiert sie das Zirkusleben in verschiedenen Ländern des Nahen Ostens, wie beispielsweise in Afghanistan, Palästina und im Iran. Gerade in diesen von Krisen gezeichneten Gebieten ist der Zirkus ein Attribut von Freiheit und das außergewöhnliche Pendant zu den sonst herrschenden Zuständen.

In intimen Analogfotografien fängt Johanna-Maria das Leben einer geschlossenen Gesellschaft ein, die sonst kaum Einblicke gewährt. Teilweise lebt sie sogar für eine gewisse Zeit mit den Artist*innen zusammen, um deren individuelle Geschichten erfahren und erzählen zu können. Die Aufnahmen der jungen Berlinerin sind dadurch nicht nur extrem persönlich, sondern sie fungieren gleichzeitig als Spiegelbild der sozialen, kulturellen und politischen Lebensumstände.

2017 wurde Johanna-Maria von der TIME Magazin-Fotochefin Kira Pollack als eine der „34 hervorragenden Fotografinnen“ weltweit gewürdigt.

Nach Ausstellungen in Frankreich, der Schweiz, Australien, China, Island, der Ukraine und den USA stellt Johanna-Maria nun erstmalig in Hannover im Kulturzentrum Pavillon aus.

Lukas Berger

Die Zirkuswelt hat Lukas Berger immer schon fasziniert – die Art der Koexistenz, das Theatrale, die Vielfalt der Kulturen, die Akrobatik und das Reisen. Seit Jahren erzählt er mit seinen Fotografien und Filmen die Geschichten von verschiedenen Zirkussen weltweit. Sein Film „Circus Debere Berhan“ porträtiert den gleichnamigen Zirkus vor ungewöhnlicher Kulisse im äthiopischen Hochland. Der fotografische Film wagt den Balanceakt zwischen Statik und Dynamik, Dokumentation und Inszenierung, Prosa und Poesie. Zirkus erweist sich einmal mehr als Gegenwelt und Ausweg für die Artist*innen aus einer gefährdeten Existenz. Zirkus als Überlebenskunst!

Lukas Berger wurde 1989 in Linz geboren und studierte an der Hochschule Hannover Fotojournalismus und Dokumentarfotografie. Seit Jahren erzählt er mit seinen Fotografien und Filmen die Geschichte von Zirkussen weltweit.

Inspiriert von seiner Liebe zur Zirkuswelt startet er ein Fotoprojekt mit drei sehr verschiedenen Zirkussen: Ausgestattet mit der Visitenkarte eines Akrobaten reist er nach Pakistan und begleitet dort das Vagabundenleben im „Lucky Irani Circus“. In Äthiopien fotografierte und filmte er die Artist*innen des „Circus Debere Berhan“ vor ungewöhnlicher Kulisse. Dem urbanen Umfeld entrückt und in das archaische Hochland versetzt, entfaltet sich eine faszinierende Aufführung artistischer Nummern. Im Fotoband „Circus“ treffen diese Szenerien auf Aufnahmen des renommierten deutschen „Circus Roncalli“, mit dem Lukas als Praktikant gereist ist. Drei ganz verschiedene Gegebenheiten, die eine perfekte Grundlage für fantastische, verspielte, aber auch kritische Fotografien bieten.

Lukas stellte sowohl in verschiedenen deutschen Städten als auch in Pakistan und Österreich aus. Sein Kurzfilm war auf internationalen Film-Festivals zu sehen.